Haus Schieffer
| Branche | Kinobetreiber |
|---|---|
| Ort | Trier |
| Mitglieder | Eduard, Ernst und Karl Schieffer |
Haus Schieffer zählte zu den bekanntesten Kinobetreibern Triers und prägte über lange Zeit die Kinolandschaft nahezu monopolartig. Zur Familie Schieffer gehörten Eduard Schieffer (1852–1922), der zunächst eine Brauerei in Prüm und später in Trier betrieb, sowie seine Söhne Ernst und Karl 1.
Die Geschichte des Hauses Schieffer in Trier nahm ihren Anfang mit den beharrlichen Versuchen, die Monopolstellung des Trierer Filmpioniers Peter Marzen zu durchbrechen. 1926 wurde Marzen dazu gezwungen, das Gebäude an der Ecke Moselstraße / Simeonstraße 47 zu räumen, in dem sich seine Reichshallen-Lichtspiele befanden 3. 1926/27 wurde Marzen zudem aus seinen Germania-Lichtspielen in der Fleischstraße 67 ausgemietet 3. Für die Germania-Lichtspiele hatte Marzen zuvor 12.000 Mark Miete gezahlt, doch die Gebrüder Schieffer boten dem Besitzer ein höheres Angebot von 25.000 Mark jährlich und setzten sich damit durch 3. Das Kino in der Fleischstraße 67 durchlief in den 1930er Jahren mehrere Umbenennungen („Modernes Theater“, „Germania“) 4. 937 bekam das Haus Schieffer Genehmigung zur Erweiterung des Kinos auf rund 600 Plätze 5. Doch dieser Erfolg dauerte nicht lange: Der Kinobetrieb endete mit der Zerstörung des Gebäudes durch Luftangriffe im Dezember 1944 4.
In den 1930er Jahren verfolgte das Haus Schieffer weitere Expansionspläne in Trier: Nach Ablehnung eines Großkinos an der Porta Nigra erwarb es 1937 das Grundstück in der Saarstraße 90–92 und errichtete 1940/41 im Luftschutzkeller das Apollo-Theater 1 6. Der Erfolg der Schieffers beruhte unter anderem auf stabilen Geschäftsbeziehungen, die es der Familie ermöglichten, an das geeignete Baumaterial zu gelangen 1. Das Apollo-Theater eröffnete 1941 mit eleganter Ausstattung und moderner Technik (1.000 Plätze, davon 800 bestuhlt) 1 7. Die Betriebsstrategie sah vor, aktuelle Filme von Freitag bis Mittwoch zu zeigen, sodass das Programm der Schieffers Neuen und Modernen Theater parallel auch in Trier-Süd lief 6. Das Kino fungierte zudem als multifunktionales Unterhaltungszentrum mit einer Bühne für Konzerte und Events 1. Das Aufkommen des Fernsehens führte in den 1960er Jahren zum Kinosterben, und das Apollo-Theater musste 1967 schließen 1.
Bedeutend waren auch die vom Haus Schieffer betriebenen Kinos – das Neue Theater und das Metropol. Beide lagen in einem großflächigen Gebäudekomplex an der Ecke Moselstraße / Simeonstraße 47, in dem sich im Laufe der Zeit auch das beliebte Café Astoria, das Gasthaus „In der Postkutsch“ und der Schieffer-Keller befanden 8. Das Neue Theater war nicht nur ein Filmtheater, sondern auch ein Ort für Bühnenaufführungen und kulturelle Veranstaltungen. Mit seinem wöchentlichen Programmwechsel galt das Neue Theater als bedeutender Bestandteil des Trierer Kulturlebens 9 10. Nach dem Tod von Theo Baltes im Jahr 1967 übernahm die Familie Schieffer dazu das Römertor-Lichtspielhaus 11.
Das Haus Schieffer prägte wesentlich die Trierer Kinolandschaft des 20. Jahrhunderts. Durch geschickte Geschäftstaktik, verlässliche Geschäftsbeziehungen und strategische Investitionen gelang es der Familie, Peter Marzens Dominanz zu durchbrechen und sich selbst als führende Kraft im Kinowesen der Stadt zu etablieren. Die Familie Schieffer baute ein vielseitiges Kinonetzwerk auf, das weit über reine Filmvorführungen hinausging.
Literaturverzeichnis
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[1]: Luchtenberg, B. (2013, 14. Oktober). „Kennen Sie…das „Apollo-Theater“?“ 16 VOR – Nachrichten aus Trier, https://archiv.16vor.de/kennen-sie-das-apollo-theater-2013-10-1/ [Zugriff: 02.11.2025].
[2]: Kremer, C. (2009, 27. März). Peter Marzen: Eine Trierer Kinolegende. https://www.volksfreund.de/region/trier-trierer-land/peter-marzen-eine-trierer-kinolegende_aid-5685757 [Zugriff: 02.11.2025].
[3]: Marzen, P. (1933). Aus dem Leben eines rheinischen Filmpioniers: Eine Erinnerungsgabe zum fünfzigsten Geburtstag Peter Marzens und seiner 35-jährigen Zugehörigkeit zur Filmindustrie. Privatdruck [Biografische Festschrift].
[4]: Stadtarchiv Trier. Sam/168/1 – Häuser, Straßen und Plätze.
[5]: Stadtarchiv Trier. (1922-1928). Tb 21/654 – Kinobesitzer Marzi, Fässy und Schieffer.
[6]: Stadtarchiv Trier 08/025. Briefe vom Haus Schieffer G. m. b.H. an die Reichsfilmkammer Landesleitung Rheinland und Westfalen in Düsseldorf vom Januar 1937 bis März 1938.
[7]: Stadtarchiv Trier. NL Laven/3890 - Kino in Trier.
[8]: Ein Vierteljahrhundert in der Sim. (2003, 1. April) https://www.volksfreund.de/region/trier-trierer-land/ein-vierteljahrhundert-in-der-sim_aid-5599761 [Zugriff: 02.11.2025].
[9]: Stadtarchiv Trier. (n.d.). NL Wolf-Heidegger/4 – Stadttheater Trier, Zirkus Gleich, Trierische Liedertafel, Kino, Konzerte, „Neues Theater“.
[10]: Stadtarchiv Trier. (n.d.). AK Hertmanni/Bd. 10 – Altstadt Trier.
[11]: Kurz notiert. (1967, November 3).Filmecho-Filmwoche, (87/88).14.