Kinogeschichte Trier



Anfänge des Kinos in Trier

Die Geschichte des Kinos in Trier beginnt nicht erst mit festen Lichtspielhäusern, sondern bereits in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Als traditionsreiche Bistums-, Garnisons- und Grenzstadt mit rund 50.000 Einwohner*innen bot Trier günstige Voraussetzungen für die frühe Etablierung des neuen Mediums Film 1. Soziale und gesellschaftliche Anlässe prägten das Stadtbild und lieferten zugleich Motive für Filmaufnahmen. Frühe Filmvorführungen waren in Trier zunächst Teil eines breiten Spektrums populärer Attraktionen. Jahrmärkte, Vereinsfeste, Varietévorstellungen und technische Schaustellungen bildeten den Rahmen, in dem bewegte Bilder erstmals gezeigt wurden 2.
Das Kino entwickelte sich hier früh zu einem Bestandteil urbaner Öffentlichkeit und kollektiver Erfahrung. Auch in Trier stand zunächst das Staunen über Bewegung, Technik und Sichtbarkeit im Vordergrund. Der Film bot eine neue Möglichkeit der Selbstbeobachtung. Lokale Ereignisse konnten nicht nur erinnert, sondern erneut gesehen werden 3. Diese enge Verbindung von Stadt, Publikum und Leinwand sollte die Trierer Kinogeschichte nachhaltig prägen 3.



Wanderkinematographen

Die Kinogeschichte Triers setzte mit den Wanderkinematographen ein. Diese mobilen Vorführungen fanden um 1900 vor allem in Gaststätten, Vereinssälen oder im Umfeld von Jahrmärkten statt 5 13. Diese Form des Kinos war flexibel und passte sich leicht an lokale Gegebenheiten an7 13. Das Kino war zunächst kein dauerhaft etablierter Ort, sondern ein zeitlich begrenztes Ereignis, eingebettet in bestehende Formen populärer Unterhaltung der Varietés 11 18. Gerade diese flexible Struktur erleichterte jedoch die schnelle Verbreitung des Mediums.
Auch in Trier fanden frühe Filmvorführungen zunächst in solchen provisorischen Räumen statt 7. Zeitgenössische Berichte deuten darauf hin, dass das Kino hier früh auf großes Publikumsinteresse stieß 14. Die Trierische Zeitung berichtete 1909 ausführlich über Eindrücke aus einem „trierischen Kinematographen“ und beschrieb sowohl das staunende Publikum als auch die besondere Atmosphäre der Vorführungen 14.
Der Kinobesuch war in dieser Frühzeit ein soziales Ereignis. Das Publikum reagierte lautstark, kommentierte das Geschehen auf der Leinwand und erkannte bekannte Orte oder Personen wieder 14. Die Aufführung war kein stilles Konsumerlebnis, sondern durch das interagierende Publikum und ggf. die Rezitation von Filmen ein kommunikativer Akt, der sich deutlich von heutigen Kinopraktiken unterscheidet 6 14.



Trierer Filmpioniere: Familie Marzen

Die Familie Marzen spielte eine herausragende Rolle in der frühen Trierer Kinogeschichte und zählt zu den bedeutendsten Filmpionieren der Region. Besonders bemerkenswert ist die außergewöhnlich gute Überlieferung zahlreicher ihrer Lokalaufnahmen, die überwiegend in Trier entstanden sind.
Zur Familie gehörten der Vater Wendel (auch Wendelin) Marzen, die Mutter Apolonia (Pauline) Marzen, geborene Chevalier, sowie die Söhne Peter, Hubert und August Marzen 10 12 14. Nicht alle Mitglieder der Familie Marzen waren dauerhaft im Filmgeschäft tätig. Während Peter und Hubert maßgeblich an der Entwicklung, technischen Umsetzung und Präsentation der Filmvorführungen beteiligt waren, trat der Bruder August – Modelleur - nicht als Akteur des wandernden oder ortsfesten Kinobetriebs in Erscheinung 7 12. Die überlieferten Quellen lassen auf eine klare Arbeitsteilung innerhalb der Familie Marzen schließen. Während Wendelin Marzen als Initiator und organisatorischer Kopf des frühen Wanderkinos fungierte und Hubert Marzen vor allem technische Aufgaben übernahm, entwickelte sich Peter Marzen zunehmend zur zentralen öffentlichen Figur der Vorführungen und zum Filmrezitator 11 12. Apolonia war für die Kasse zuständig 11 12.
Den Einstieg in die Welt des Films verdankt die Familie dem Vater Wendel (Wendelin) Marzen, welcher - laut Peter Marzen - 1897 von einer Reise nach Paris einen „sehr primitiven Filmapparat“ 5: Seite 5 und zehn bis zwölf Filme mit einer Länge von 25-60 Metern mitbrachte 5. Daraufhin folgte die Uraufführung noch im selben Jahr in dem katholischen Vereinshaus Treviris in der Jakobsstraße in Trier 5. Die Familie betrieb ihren Wanderkinematographen unter dem Namen "Marzens-Edisons elektrisches Theater lebender, singender und sprechender Photographien" und reiste damit zu vielen verschiedenen Orten vor allem in Rheinland-Pfalz, im Saarland, den Benelux-Staaten und Frankreich, um dort ihre Filme aufzuführen 5 11 12 19.
Auf ihren Reisen genossen sie durch ihre Beliebtheit ein hohes Ansehen und Privilegien. Unter anderem erließen ihnen einige Städte die Lustbarkeitssteuer, sie bekamen eine Unterkunft von Gaststättenbetreibern gestellt, die ihnen auch einen Raum für die Vorstellung ihrer Filme überließen 19. Dadurch, dass Sie Räumlichkeiten wie zum Beispiel Gaststätten für ihre Vorstellungen nutzen konnten sie im Gegensatz zu anderen Wanderkinematographen mit relativ wenig Gepäck und technischem Aufwand reisen.
Viele der Filme sind verschwunden, einige der Lokalaufnahmen sind jedoch bis heute erhalten und werden zum Beispiel im Trierer Simeonstift-Museum zum Ansehen bereitgestellt 10 11 13 17.
Der Erfolg des Wanderkinos beruhte nicht allein auf der Technik. Neben der technischen Präsentation spielte auch die persönliche Performance eine große Rolle. Besonders Peter Marzen trat als Rezitator und Vermittler zwischen Film und Publikum hervor. Durch mündliche Erläuterungen, Kommentare, oft im Trierer Dialekt und Geräuscheffekte strukturierte er die Wahrnehmung der Filme und trug wesentlich zum Unterhaltungserlebnis bei 3 6 11 12 13.
Nach einem Familienstreit, dessen Gründe unbekannt sind, und immer größer werdenden familiären Spannungen, trennten sich die Wege der Familie 10 12. Peter Marzen blieb in Trier und übernahm das Central-Theater , das er 1911 in „Trierische Lichtspiele“ umbenannte 10 12. Seine Erfolgsgeschichte in Trier setzte damit einige Jahre lang steil fort.
Wendelin Marzen, Apolonia Marzen und Hubert Marzen hingegen verließen Trier nach Ausuferung des Familienstreits und ließen sich in Luxemburg nieder 8. Dort eröffneten sie am Schulberg Nr. 9 das Kino „Cinema Parisiana“, dessen Eröffnungsvorstellung am 12. November 1911 stattfand 8. Wendelin Marzen fungierte als Direktor, während Hubert Marzen die Aufgaben des Ingenieurs und technischen Leiters übernahm 8. Nach den Marzens wurde das Kino bis zur Betriebseinstellung im Mai 1924 von Mathias Martin, Lauth und Strobel weitergeführt 8.
Der Familienstreit wurde 1912 auch öffentlich ausgetragen 8. In der Luxemburger Zeitung erschien am 24. März eine Anzeige von Peter Marzen, in der er sich als alleiniger Eigentümer des Trierischen Lichtspielhauses bezeichnete und die Angaben des „Cinema Parisiana“, Hubert und Wendelin seien Miteigentümer, als unwahr zurückwies 8. Nur drei Tage später folgte eine scharf formulierte Gegendarstellung von Wendelin und Apolonia Marzen sowie Hubert Marzen, in der Peters Alleinanspruch bestritten und seine Angaben als „plumper Reklameschwindel“ 8: Seite 37. bezeichnet wurden 8.
Peter Marzen entwickelte sich im Verlauf der frühen Kinogeschichte Triers zu einer der zentralen Figuren des lokalen Film- und Vorführbetriebs 9 11 13. Durch seine Tätigkeit als Filmerklärer, Rezitator und Unternehmer prägte er die frühe Kinokultur der Stadt nachhaltig 6 9 13. Seine Karriere setzte sich über mehrere Jahrzehnte fort und ist eng mit der Professionalisierung des Kinobetriebs in Trier verbunden 5 6 9 13 19.
Eine ausführlichere Betrachtung von Peter Marzens beruflichem Werdegang, seinen Lichtspielhäusern sowie seiner Bedeutung für die regionale Filmgeschichte erfolgt in gesonderten Abschnitten.



Lokalaufnahmen

„Lokalaufnahmen wurden von Kinobetreibern selbst oder in deren Auftrag für ein lokales bzw. regionales Publikum gedreht und waren nicht für den überregionalen Vertrieb gedacht. Von den Aufnahmen wurde in der Regel nur eine Kopie für den Eigenbedarf gezogen, die im Wandergewerbe für eine Saison, im stationären Kinobetrieb meist eine, allenfalls zwei Wochen im Programm war und danach als wertlos betrachtet wurde. Bedingt durch ihren Entstehungs- und Auswertungskontext sind Lokalaufnahmen kaum erhalten geblieben. Ihre Spuren lassen sich in Form von Inseraten und Berichten fast ausschließlich in Lokalzeitungen finden, nicht jedoch in der Branchenpresse […] Von keiner anderen deutschen Stadt vergleichbarer Größe sind so viele Lokalaufnahmen erhalten, deren Auswertung im Wanderkino bzw. stationären Kino der Familie Marzen sich besonders gut rekonstruieren lässt.“ 13: Seite 197.
Ein zentrales Merkmal der Marzenschen Filmproduktion waren besagte Lokalaufnahmen 11 12. Immer wieder zeigten sie Filme, die direkt in Trier entstanden waren und lokale Ereignisse, Straßenszenen, Alltagsszenen, Festlichkeiten, Umzüge, bekannte Plätze aus Trier oder Prozessionen dokumentierten 11 12 15. Diese Praxis verstärkte den Reiz des Mediums, da Zuschauerinnen und Zuschauer sich selbst, Bekannte oder vertraute Orte auf der Leinwand entdecken konnten 3 14.
Auffällig bei den Filmen der Familie Marzen ist, dass Peter Marzen in zahlreichen Aufnahmen selbst im Bild erscheint, häufig die Kamera grüßt oder auffällige Anweisungen an umstehende Personen gibt 10 12 15. Trotz ihrer großen Bedeutung ist nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Lokalaufnahmen der Familie Marzen bis heute erhalten 10 13. Viele weitere Filme gelten jedoch als verschollen 10 13. Dies hängt zum einen mit der materiellen Beschaffenheit des Filmmaterials zusammen, zum anderen mit der spezifischen Produktionsweise dieser Filme 15 16. Lokalaufnahmen waren nicht für eine langfristige Archivierung vorgesehen 15 16.



Lokalaufnahmen der Familie Marzen

Circa 40 Lokalaufnahmen der Marzens sind zum heutigen Tage bekannt 11. Viele der hier genannten Lokalaufnahmen sind verschollen, lediglich die Titel sind bekannt 10 13. Einige Trierer Lokalfilme der Familie Marzen sind bis heute erhalten geblieben und befinden sich unter anderem in musealer Betreuung, etwa im Simeonstift-Museum 17. Einige der Filme sind im Folgenden aufgelistet 11:

1902

  1. ◦ Pfingstprozession in Trier – 18. Mai 1902
  2. ◦ Echternacher Springprozession
  3. ◦ Aufnahme von den die Kathedrale verlassenden Behörden, Luxemburg

1903

  1. ◦ Autofahrt durch Trier
  2. ◦ La Première communion à Thionville
  3. ◦ L’Empereur Guillaume à Metz

1904

  1. ◦ Die Kappenfahrt 1904 der vereinigten Karnevalsgesellschaften Trier´s
  2. ◦ Fronleichnamsprozession in Trier

1906

  1. ◦ St. Willibrordusfeier Echternach 1906
  2. ◦ Rosenfest in Luxemburg
  3. ◦ Kaisertage in Koblenz

1907

  1. ◦ XVIII. Internationaler Eucharistischer Kongress zu Metz vom 6.–11. August 1907
  2. ◦ Rosenfest in Luxemburg
  3. ◦ Traben-Trabacher Rosenfest mit Blumencorso zu Rissbach
  4. ◦ Ein Besuch in der weltberühmten Champagnerfabrik E. Mercier & Co. in Luxemburg und in deren eigenen Weidenpflanzungen und Korbflechterei zu Kopftal

1909

  1. ◦ Domausgang am Ostersonntag
  2. ◦ Promenadenkonzert an der Porta Nigra
  3. ◦ Die alte Römerstadt Trier und ihre Sehenswürdigkeiten
  4. ◦ Frühjahrsspritzenprobe der Freiwilligen Feuerwehr am 3. Mai am Stadttheater
  5. ◦ Leben und Treiben auf dem Viehmarkt am 5. Mai
  6. ◦ Fronleichnamsprozession in Trier
  7. ◦ Festlichkeiten aus Anlass des 35-jährigen Stiftungsfestes des Männergesangvereins „Eintracht“ am Pfingstsonntag

1912

  1. ◦ Internationaler Marianischer Kongress zu Trier vom 3.–6. August 1912

1913

  1. ◦ Bilder vom Kaisertag / Der Besuch unseres Kaisers in Trier am 14. Oktober 1913

1914

  1. ◦ Blumenkorso 1914, veranstaltet vom Radfahrerverein Trier, Gegr. 1885

1927

  1. ◦ 675-jähriges Bestehen der Schifferbruderschaft Trier-St. Paulus


Vom Wanderkino zum ortsfesten Lichtspielhaus

Das erste ortsfeste Kino Triers, der Weltspiegel, eröffnete bereits 1907 6 10. Im selben Jahr konnten Trierer Kinobesucher*innen bereits zwischen fünf verschiedenen mobilen und festen Kinematographen auswählen 7. Parallel dazu entstanden weitere ortsfeste Kinos in der Stadt. Diese konkurrierten um Publikum, Programme und technische Ausstattung. Unterschiede bestanden unter anderem in der Programmauswahl, der musikalischen Begleitung und der Form der Live-Kommentierung 9. Peter Marzen profilierte sich insbesondere durch persönliche Rezitationen während der Vorführungen 9.
Mit dem wachsenden Erfolg des Kinos veränderten sich auch die Strukturen des Filmgeschäfts. Während das Wanderkino zunächst dominierte, setzte sich ab den 1900er Jahren zunehmend das ortsfeste Kino durch 7 9. Wie bereits erwähnt, war das erste in Trier etablierte ortsfeste Kino der Weltspiegel, welches 1907 seine Türen öffnete, diese jedoch schon 1908 wieder schließen musste 10. Auch die Familie Marzen reagierte auf diese Entwicklung 5 11. In Trier etablierte sich Peter Marzen als zentrale Figur dieses Übergangs 6 7 9.
Nach einem innerfamiliären Konflikt, dessen genaue Ursachen nicht vollständig rekonstruierbar sind, trennten sich die Wege der Familienmitglieder Marzen 10 12. Peter Marzen blieb in Trier und übernahm das dortige Central-Theater, das er ab 1911 unter dem Namen „Trierisches Lichtspielhaus“ führte 8 10 12. Von hier aus entwickelte sich seine unternehmerische Tätigkeit in der Stadt zunächst sehr erfolgreich. 1916 erlangte er mit den „Vereinigten Trierer Lichtspielen“, dem Zusammenschluss von Reichshallen-Lichtspielen und Germania-Lichtspielen das Kinomonopol in Trier 2 4 10. Dieses Monopol hatte er bis 1919 nach Ende des 2. Weltkriegs inne 10.



Das Kino während des Ersten Weltkriegs

Während des Ersten Weltkriegs veränderte sich die Funktion des Kinos grundlegend. Als Garnisonsstadt spielte Trier eine wichtige Rolle, und das Kino wurde verstärkt für propagandistische Zwecke genutzt 4. Patriotische Filme, Kriegsberichte und Durchhalteparolen prägten das Programm, zugleich blieb das Kino ein Ort der Ablenkung für Soldaten und Zivilbevölkerung 4.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 stellte auch für das Kino in Trier eine tiefgreifende Zäsur dar. Zu Beginn mussten die Lichtspielhäuser auf behördliche Anordnung hin schließen und waren dies über einen Monat, schätzungsweise sechs Wochen hinweg 4 5. Als Garnisonsstadt war Trier in besonderem Maße vom Militär geprägt, was sich unmittelbar auf das Kinoprogramm und die Funktion der Lichtspielhäuser auswirkte. Das Kino entwickelte sich in dieser Phase zu einem wichtigen Ort der Zerstreuung, aber auch der politischen und patriotischen Mobilisierung, gerade auch für Kinder und Jugendliche a 4.
Während des Krieges blieb der Kinobetrieb in Trier grundsätzlich aufrechterhalten. Die Programme wurden jedoch zunehmend von kriegsbezogenen Inhalten dominiert 4. Wochenschauen, militärische Aufmärsche, Frontberichte und propagandistische Filme fanden verstärkt Eingang in das Repertoire 4. Zugleich dienten die Vorführungen der moralischen Stabilisierung der Bevölkerung und der Soldaten, die sich zeitweise in der Stadt aufhielten 4.
Gleichzeitig blieb das Bedürfnis nach Unterhaltung bestehen. Neben patriotischen Filmen wurden weiterhin Lustspiele, kurze Spielszenen und Aktualitäten gezeigt. „Die anfängliche Kriegsbegeisterung und der Glaube an einen schnellen Siegfrieden war der Realität gewichen, die Menschen wollten keine langweiligen Etappenbilder mehr sehen, sondern suchten im Kino Aufheiterung und Ablenkung. Über Weihnachten dominierten jedoch wieder patriotische Filme, in denen soziale Unterschiede und persönliche Gegensätze angesichts des gemeinsamen Kampfes ums Vaterland nichtig wurden.“ 4: Seite 107.



Das Trierer Kino bis in die Gegenwart

Bis heute ist das Kino ein fester Bestandteil der Trierer Kulturlandschaft. Die Geschichte des Kinos in Trier ist damit nicht abgeschlossen, sondern setzt sich kontinuierlich fort.
Gleichzeitig ist das historische Erbe der frühen Kinopioniere präsent geblieben. Ausstellungen und Publikationen erinnern an die Anfänge des Films in Trier und an die Rolle der Familie Marzen, deren Wirken in Trier und Umgebung maßgeblich für die Entwicklung des Kinos in Trier war.




Fußnoten

+

a:

Die patriotischen Filme waren für Kinder und Jugendliche freigegeben 4. Seit dem 1. Januar 1914 war der Kinobesuch für Kinder und Jugendliche ohne Begleitung untersagt 4. Nach einer Verschärfung dieser Regelung 1915 durften von Kinder und Jugendliche nur noch Filme mit nationaler, patriotischer und militärischer Thematik besucht werden 4. „[S]chon am 9. Februar 1911 unter dem Betreff »Bekämpfung der Schundliteratur« [wurde] folgende[r] Beschluß gefaßt: In die Schulordnung ist aufzunehmen: Schulkindern ist der Besuch der Kinematographentheater ohne Begleitung der Eltern verboten. Im Falle, dass Schulkinder, deren Eltern von der Stadt unterstützt werden, dort getroffen werden, ist den Schülern die Unterstützung durch Lehrmittel und dergleichen zu entziehen“ 1: Seite 54. Vor allem Filme, die als sensationsorientiert, sittlich bedenklich oder als sogenannte „Schundfilme“ eingestuft wurden, gerieten in den Fokus kommunaler und kirchlicher Kritik 1. Im Jahr 1911 beschränkten sich die Eingriffsmöglichkeiten in Trier zunächst auf Regelungen der Schulordnung, doch erwiesen sich diese als wirkungslos, sodass Schulinspektor Musmacher in wiederholten Eingaben an die Bezirksregierung polizeiliche Maßnahmen gegen den Kinobesuch von Kindern und Jugendlichen forderte, was schließlich in der Polizeiverordnung vom 30. Oktober 1913 mündete, die zum 1. Januar 1914 in Kraft trat 1.

Literaturverzeichnis

+

[1]: Duckwitz, A., Loiperdinger, M., & Theisen, S. (2000). Kampf dem Schundfilm! Kinoreform und Jugendschutz in Trier. In F. Kessler, S. Lenk & M. Loiperdinger (Eds.), Lokale Kinogeschichten (KINtop. Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films, Bd. 9, pp. 52–63). Stroemfeld/Roter Stern. https://doi.org/10.25969/mediarep/15941.


[2]: F Conen, S. (2002). Trier im frühen Kino: Eine filmische Zeitreise. Trier: Trier Medienwissenschaft, Universität Trier.


[3]: Loiperdinger, M. (2008). Akzente des Lokalen im frühen Kino am Beispiel Trier. In C. Müller & H. Segeberg (Eds.), Kinoöffentlichkeit (1895–1920): Entstehung, Etablierung, Differenzierung / Cinema’s public sphere – emergence, settlement, differentiation (1895–1929) (pp. 236–246). Schüren.


[4]: Braun, B. (2002). Patriotisches Kino im Krieg: Beobachtungen in der Garnisonsstadt Trier. In F. Kessler, S. Lenk & M. Loiperdinger (Eds.), Kinematographen-Programme (KINtop, Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films, Bd. 11, pp. 100–121). Stroemfeld/Roter Stern. https://doi.org/10.25969/mediarep/15981.


[5]: Marzen, P. (1933). Aus dem Leben eines rheinischen Filmpioniers: Eine Erinnerungsgabe zum fünfzigsten Geburtstag Peter Marzens und seiner 35-jährigen Zugehörigkeit zur Filmindustrie. Privatdruck [Biografische Festschrift].


[6]: Braun, B., & Eifler, K. (2002). Kommt all heirönn zum Marzens Pitt: Kinoerlebnisse mit dem Filmerklärer Peter Marzen. Neues Trierisches Jahrbuch, 42, 173–186.


[7]: Braun, B. (2002). Wir Trierer lieben den „Kintop“ über alles: Die Kinostadt Trier vor dem Ersten Weltkrieg. Kurtrierisches Jahrbuch, 42, 239–273.


[8]: Etringer, N. (1983). Lebende Bilder: Aus Luxemburgs guter alter Kinozeit. Imprimerie Saint-Paul S.A.


[9]: Herzig, M., & Loiperdinger, M. (2000). „Vom Guten das Beste“ – Kinematographenkonkurrenz in Trier. In F. Kessler, S. Lenk & M. Loiperdinger (Hrsg.), Lokale Kinogeschichten (KINtop. Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films, Bd. 9, S. 38–51). Stroemfeld/Roter Stern. https://doi.org/10.25969/mediarep/15940.


[10]: Kremer, C. (2009, 27. März). Peter Marzen: Eine Trierer Kinolegende. Trierischer Volksfreund. https://www.volksfreund.de/region/trier-trierer-land/peter-marzen-eine-trierer-kinolegende_aid-5685757.


[11]: Braun, B., & Jung, U. (2005). Local Films from Trier, Luxembourg and Metz: A Successful Business Venture of the Marzen Family, Cinema Owners. Film History, 17(1), 19–28. http://www.jstor.org/stable/3815466.


[12]: Hoppe, K., Loiperdinger, M., & Wollscheid, J. (2000). Trierer Lokalaufnahmen der Filmpioniere Marzen. In F. Kessler, S. Lenk & M. Loiperdinger (Eds.), Lokale Kinogeschichten (KINtop. Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films, Bd. 9, S. 14–37). Stroemfeld/Roter Stern. https://doi.org/10.25969/mediarep/15939.


[13]: Braun, B. (2005). Lokalaufnahmen der Familie Marzen in Trier. In U. Jung & M. Loiperdinger (Eds.), Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland (Bd. 1: Kaiserreich 1895–1918, pp. 197–203). Philipp Reclam jun. https://mediarep.org/server/api/core/bitstreams/ab44eb55-e53c-4eb6-9248-02ed6a799a8d/content#page=198.


[14] : Redaktion Trierische Zeitung. (2000). In einem »trierischen« Kinematographen (1909). In F. Kessler, S. Lenk & M. Loiperdinger (Eds..), Lokale Kinogeschichten (KINtop. Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films, Bd. 9, S. 10–13). Stroemfeld/Roter Stern. https://doi.org/10.25969/mediarep/15938.


[15]: Jung, U. (2005). Städtebilder und Lokalaufnahmen. In U. Jung & M. Loiperdinger (Eds.), Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland (Bd. 1: Kaiserreich 1895–1918, pp. 275–298). Philipp Reclam jun.


[16]: Jung, U., & Loiperdinger, M. (2005). Überlieferung nicht-fiktionaler Filme aus der Frühzeit. In U. Jung & M. Loiperdinger (Eds.), Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland (Bd. 1: Kaiserreich 1895–1918, pp. 21–25). Philipp Reclam jun.


[17]: Redaktion Trierische Zeitung. (2012, 3. Juli). Trier in alten Filmen (Teil 4): Der Regisseur und „milljunen“ Statisten. Trierischer Volksfreund. https://www.volksfreund.de/region/trier-trierer-land/trier-in-alten-filmen-teil-4-der-regisseur-und-milljunen-statisten_aid-4958229.


[18]: Brandt, H.-J. (1994). Die Anfänge des Kinos. In W. Faulstich (Eds.), Fischer-Filmgeschichte: 100 Jahre Film, 1895–1995 (Bd. 1, pp. 86–97). Fischer-Taschenbuch-Verlag.


[19]: Zglinicki, F. P. von. (1979). Der Weg des Films. Hildesheim u.a. Olms.




Weiterführende, hier nicht zitierte Literatur:


[20]: Trierischer Volksfreund. (2012, 7. Februar). Ein Stück Geschichte auf 35 Millimetern. https://www.volksfreund.de/region/trier-trierer-land/ein-stueck-geschichte-auf-35-millimetern_aid-6385983.

[21]: Toulmin, V., & Loiperdinger, M. (2005). Is it you? Recognition, representation and response in relation to the local film. Film History, 17(1), 7–18. https://www.jstor.org/stable/3815465.

[22]: Peter Marzen. (1936, 3. Juli). Luxemburger Wort, 89(185), 8. https://persist.lu/ark:70795/k60cf2g0g/pages/8/articles/DTL418.

[23]: Der Kinematograph. (1907, November). Neueintragungen von Firmen. Der Kinematograph, No. 46. Düsseldorf: E. Lintz. https://mediahistoryproject.org/reader.php?id=kinematograph01-1907-11.

[24]: Braun, B. (2008). Marzen’s travelling town hall cinematograph in the greater region of Luxemburg. In M. Loiperdinger (Ed.), Travelling cinema in Europe: Sources and perspectives (KINtop Schriften, Bd. 10, pp. 119–126). Stroemfeld.

[25]: Braun, B. (2001). Frühes Kino in Trier. Magister Thesis Universität Trier.

[26]: Braun, B. (2005). Nicht-fiktionale Filme in den Nummernprogrammen von Trierer Kinematographentheatern. In U. Jung & M. Loiperdinger (Eds.), Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland (Bd. 1: Kaiserreich 1895–1918, pp. 213–220). Philipp Reclam jun.