Apollo
| Öffnungsjahre | 1941 – 1967 |
|---|---|
| Adresse | Saarstraße 90–92 |
| Ort | Trier |
| Betreiber | Haus Schieffer GmbH |
| Sitzplätze | 800 |
Planungsgeschichte
Die Geschichte des Apollo-Theaters ist eng mit den Plänen des Hauses Schieffer GmbH verbunden, das in den 1930er Jahren ehrgeizige Expansionspläne für die Trierer Kinolandschaft verfolgte 1. Im Januar 1937 reichte das Unternehmen einen Bauantrag für ein großes Lichtspielhaus an der Porta Nigra ein, das 1.200 bis 1.300 Plätze bieten sollte 1. Die städtischen Behörden erteilten jedoch keine Genehmigung 1. Nach der Ablehnung verlagerte das Hauses Schieffer seine Pläne auf den Stadtteil Trier-Süd. 1 So entstand in der Saarstraße 90-92, die sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zu einer belebten Geschäftsstraße entwickelt hatte, das Apollo-Theater 2.
Die geplante Betriebsstrategie des neuen Theaters war Folgendes: Die Filme sollten von Freitag bis Mittwoch gezeigt werden, dass das gleichzeitig laufende Programm des bereits etablierten Neuen und Modernen Theaters für drei Tage parallel auch in Trier-Süd gezeigt würde 1. Dadurch hätte jeder Film statt sieben Tage nun zehn Tage gezeigt werden können 1. Am letzten Tag der Spielwoche sollte das Kino der Ortsgruppe NSDAP Trier-Süd zur Verfügung gestellt werden 1.
Gründung
Die feierliche Eröffnung des Apollo-Theaters fand am 13. September 1941 statt 3. Als Eröffnungsfilm wurde der Operettenfilm „Immer nur… Du!“ vorgeführt 3. An der Eröffnungsveranstaltung nahmen Behördenvertreter, an den Bauarbeiten beteiligte Mitarbeiter und deren Familien teil 3. Ab dem 14. September 1941 öffnete das Theater seine Türen für die Öffentlichkeit 3.
Die Eröffnung während des Zweiten Weltkrieges entspricht dem zeitgenössischen Trend des Kinowesens: Das Kinoleben in Deutschland erlebte während des Krieges einen deutlichen Aufschwung, nicht zuletzt als Ablenkungsmittel vom Kriegsalltag und als Instrument politischer Propaganda 2. Die obligatorischen Wochenschauen vor jedem Spielfilm dienten der gezielten Überwachung der öffentlichen Meinung 2. Zudem weisen die Betreiber in ihren Briefen an die Reichsfilmkammer darauf hin, dass in Trier durch die große Garnison ein besonders gutes Theaterpublikum eingezogen war 1.
Innenausstattung
Das Apollo-Theater zeichnete sich durch eine aufwändige und elegante Ausstattung aus 2. Im Foyer stand eine überlebensgroße Skulptur von Apollon – in der griechischen und römischen Mythologie der Gott des Lichts, der Künste und der Musik 2.
Der Eingang wurde durch fünf steinerne Torbögen gebildet, die mit Gittern verschlossen werden konnten und zur Platzierung von Kinoplakaten und Reklame dienten 2. Der geräumige Vorraum war funktional organisiert: An der linken Schmalseite befanden sich die Kartenschalter, gegenüber die Garderobe. Mit Marmoroptik, schmiedeeisernen Absperrgittern, Wandleuchtern und strukturierter Putzdecke wirkte das Innere des Hauses edel und hochwertig 2.
Vom Eingangsfoyer führten zwei hintereinanderliegende Foyers zum Zuschauerraum 2. Der Kassenraum und das erste Foyer bewahren bis heute ihre originale Höhe 2. Das zweite Foyer war schmaler proportioniert und schloss an Nord- und Südseite mit abgerundeten Wänden ab 2. Die südliche Nische diente als Standort der Apollo-Statue 2. Der Zuschauerraum war in erster Linie als Parketttheater ausgebaut, ergänzt durch eine kleine Loge an der Rückwand mit einer Kapazität von etwa 20 Zuschauern 2.
Das Apollo-Theater verfügte über eine Bühne, die neben Filmvorführungen auch Aufführungen, Konzerte und Boxkämpfe ermöglichte – sogar „The Lords“ traten dort einmal auf 2. Als multifunktionales Unterhaltungszentrum des Stadtteils führte es jedoch nach wenigen Events zu Beschädigung der Inneneinrichtung, weshalb man sich wieder auf Filme konzentrierte 2.
Technische Ausstattung
Das Apollo-Theater war mit modernster Technik ausgestattet. Es verfügte über große Vorhallen und Wandelgänge, einen vorschriftsmäßigen Luftschutzraum und die neueste Vorführungstechnologie 3. Besonders hervorzuheben ist die Ausstattung mit Kopfhörern für Schwerhörige 3. Das Theater hatte ein Fassungsvermögen von 1.000 Personen, von denen 800 Plätze bestuhlt waren 3.
Erhaltene Spuren
Mit der Verbreitung der Fernsehapparate begann in den 1960er Jahren das Kinosterben: „Ein bis zwei gute Filme konnten uns über das Jahr retten, aber am Schluss waren wir froh, dass wir das Kino los waren“, erinnerte sich Ernst-Ludwig Schieffer 2. Trotz der Schließung des Kinos 1967 und der anschließenden Umwandlung dessen zunächst in den Verma-Markt und später in den Edeka-Markt sind noch viele Hinweise auf die Geschichte des Kinos in Trier-Süd erhalten geblieben 2. Die beiden Säulen bei der heutigen Gemüseabteilung, die charakteristischen Türprofile in den Foyer- und Seitengängen sowie die südliche Nische, in der einst die Apollo-Statue stand, erinnern noch an das historische Lichtspielhaus 2.
Literaturverzeichnis
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[1]: Stadtarchiv Trier 08/025. Briefe vom Haus Schieffer G. m. b.H. an die Reichsfilmkammer Landesleitung Rheinland und Westfalen in Düsseldorf vom Januar 1937 bis März 1938.
[2]: Luchtenberg, B. (2013, 14. Oktober) „Kennen Sie…das „Apollo-Theater“?“ 16 VOR – Nachrichten aus Trier, https://archiv.16vor.de/kennen-sie-das-apollo-theater-2013-10-1/ [Zugriff: 02.11.2025].
[3]: Stadtarchiv Trier. NL Laven/3890 - Kino in Trier.
Bildlizenzen
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[1]: Quelle: Privatsammlung Schmitt/Kotschka
[2]: Quelle: Privatsammlung Schmitt/Kotschka
[3]: Quelle: Privatsammlung Schmitt/Kotschka
[4]: Quelle: Privatsammlung Schmitt/Kotschka
[5]: Quelle: Privatsammlung Schmitt/Kotschka
[6]: Quelle: Privatsammlung Schmitt/Kotschka
[7]: Privatfoto: Arina Singatulina