Capitol

Öffnungsjahre 1937 – 1986
Adresse Brotstraße 24
Ort Trier
Betreiber Volmerg & Co.
Sitzplätze 700
Architekt Mertes

Gründung

Ende 1937 entstand in der Brotstraße 24 das Kino Capitol, ein modernes Lichtspielhaus, das an der Stelle des traditionsreichen Trierischen Hofes errichtet wurde 1. Dabei ging der ursprüngliche Platzcharakter verloren: Der Eingang zur Brotstraße wurde neu angelegt und die gesamte Vorderfront im Stil des Dritten Reiches gestaltet 2.

Der erste Film, der im Capitol gezeigt wurde, war „Zu neuen Ufern“ 1. Bei der Premiere erschienen einige Schauspieler:innen persönlich, darunter auch die bekannte Zarah Leander 5.

Innenausstattung

Innere Ausstattung des Capitols entsprach den modernsten Anforderungen. Durch hohe Arkaden und vier Flügeltüren gelangte man in eine geräumige, helle Vorhalle mit marmornen Wänden und neuzeitlicher Deckenbeleuchtung durch Linienstrahlröhren 1. Ein stilvolles Foyer vor dem Eingang zum Balkon stand den Besuchern zur Verfügung, an dessen Wänden Werke Trierer Künstler ausgestellt wurden 1. Der eigentliche Zuschauerraum war stimmungsvoll und geschmackvoll gestaltet: Eine hohe, goldumrahmte Bühne dominierte das Parkett, dessen mit rotem Polster ausgeschlagene Sessel auf einem teppichgeschmückten Boden standen 1. Rote Wandbespannungen und ein prunkvoll ausgestatteter Balkon vervollständigten das Erscheinungsbild 1. Große Spiegel und moderne Toiletteneinrichtungen rundeten die Ausstattung ab 1. Diese durchdachte Gestaltung war das Werk des Trierer Architekten Mertes, der seine Aufgabe im besten Sinne gelöst hatte. Bemerkenswert war auch, dass nur Trierer Handwerker und Arbeiter bei der Errichtung des Kinos beschäftigt wurden und das Material ebenfalls ausschließlich von Trierer Unternehmen bezogen wurde 1.

Technische Ausstattung

Die technischen Einrichtungen lagen auf dem neuesten Stand der Industrie. Ein moderner Vorführraum war mit zwei Apparaten jüngster Konstruktion ausgestattet; eine automatische Schaltvorrichtung sicherte gegen Störungen ab 1. Die Apparatur war für Farbfilme gut geeignet 1. Akustik wurde durch Heraklitplatten gewährleistet, und der Velourstoff in stimmungsvoller roter Farbe fungierte tonabsorbierend 1. Für Schwerhörige standen Kopfhörer zur Verfügung, die eigenständig reguliert werden konnten 1. Ein großer Luftschutzraum erstreckte sich unter dem gesamten Gebäude; zudem verfügte das Lichtspielhaus über eine ausreichende Anzahl von Notausgängen 1.

Betrieb

Die Betriebsgesellschaft Volmerg & Co. führte das Capitol mit dem Ziel, es zu einem richtigen Kino-Zentrum auszubauen 3. Der Hauptsaal „Rex“ bot 520 Sitzplätze 3. Hinzu kam der Saal „Bambi“ mit 120 Plätzen, das 1961 das erste Trierer Raucherkino wurde 3.

Die Expansion führte 1977 zur Eröffnung eines dritten Saals 3. Die „Katakombe“ in den Kellerräumen des Capitols sollte als „Wohnzimmertheater“ konzipiert sein, in dem Besucher gemütlich in Stuhlsesseln Filme anschauen konnten 3. Eine Theke mit Snacks und Getränken ergänzte das Angebot 3. Der Saal war rustikal ausgestattet mit Fachwerkmauerelementen und Bildern von römischen Fundgegenständen 3. Mit 60 Sitzplätzen war die „Katakombe“ das kleinste Kino des Kinozentrums 3. Insgesamt konnten 700 Besucher gleichzeitig im Kino-Center Capitol untergebracht werden.

Die Programmstrategie war differenziert: Während Action-Filme, Familienprogramme sowie Kassenfüller in den größeren Sälen „Bambi“ und „Rex“ gezeigt wurden, präsentierte sich die „Katakombe“ als Ort für Filme gehobener Ebene, etwa „Dr. Schiwago“ 3. Der erste Film in der Katakombe war „Der Adler ist gelandet“ 3. Insgesamt war das Capitol eine echte Bereicherung für das städtische Kulturleben.

Schließung

Das Kinosterben, das ab den späten 1950er Jahren durch die Ausbreitung des Fernsehens ausgelöst wurde, betraf auch das Capitol 4. Diese Entwicklung verschärfte sich in den 1980er Jahren durch das Aufkommen von Videotheken 4. Das Capitol versuchte, dieser Entwicklung durch technische Modernisierungen 5 und ein differenziertes Programmangebot entgegenzuwirken 4. So erwarb das Capitol mit Lehrfilmen wie „Unterm Dirndl wird gejodelt“ Verdienste um die sexuelle Aufklärung der Jugend, und Kriegsveteranen-Filme wie „Rambo“ sensibilisierten gezielt junge Männer zur Frage „Bundeswehr oder Zivildienst?“ 4. Doch konnte dies den wirtschaftlichen Niedergang nicht aufhalten 4. 1986 schloss das Capitol endgültig seine Türen 4. Heute befindet sich im Gebäude des ehemaligen Kinos die Commerzbank.

Literaturverzeichnis

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[1]: Stadtarchiv Trier. (1927-1946). NL Laven/1433 – Zeitungsartikelsammlung über Filmvorführungen in Trier (Neues Theater, Capitol-Theater, Apollo-Theater, Palast-Lichtspiele, Germania-Lichtspiele, Römertor-Lichtspiele). Trierischer Volksfreund 09.09.1937.

[2]: Zenz, E. (1987). Trier Stadtbild im Wandel seit 1900. Eine Auswahl mit 140 Fotos. Trier, Spee-Buchverlag.

[3]: Stadtarchiv Trier. NL Backes/91. Trierischer Volksfreund 13.05.1977.

[4]: Jöricke, F. (2024, 08. September). 30 Jahre Broadway in Trier: Wie das Kino überlebt hat. Trierischer Volksfreund. https://www.volksfreund.de/region/trier-trierer-land/30-jahre-broadway-in-trier-dirk-ziesenhenne-und-seine-strategie_aid-118714541 [Zugriff: 02.11.2025].

[5]: Südwestrundfunk (SWR). (1986, 26. Februar). Blick ins Land: Kinosterben [Fernsehbeitrag]. Südwestrundfunk. Archiv der Hauptabteilung Information, Dokumentation und Archive (SWR/SR).

Bildlizenzen

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[1]: Quelle: Privatsammlung Schmitt

[2]: Privatfoto: Arina Singatulina - Alle Rechte vorbehalten

[3]: Privatfoto: Arina Singatulina - Alle Rechte vorbehalten