Germania (Modernes Theater)

Öffnungsjahre 1913 – 1944
Adresse Fleischstraße 67
Ort Trier
Betreiber Peter Marzen
Sitzplätze 450
Architekt Peter Johann Kiefer

Das Lichtspielhaus Germania wurde in der Fleischstraße 67 eröffnet. Das Gebäude selbst wurde 1861 durch Peter Johann Kiefer errichtet und diente zunächst bis 1871 als Wohnhaus 6. Anschließend befand sich dort über drei Jahrzehnte das Café Germania, bevor die Räumlichkeiten ab 1905 für ein Möbel- und Ausstattungsgeschäft genutzt wurden 6.

Die Eröffnung eines festen Lichtspielhauses an dieser Stelle, die „Germania“-Lichtspiele, fand am 28. November 1913 unter der Leitung von Peter Marzen statt 7. In zeitgenössischen Branchenblättern wurde die Gründung unter dem Namen „Germania-Lichtspiele“ angezeigt 8 . Die Erben Kiefer, die das Projekt initiierten, mussten die baulichen Vorgaben der Behörden umgehen, da die Fleischstraße aufgrund ihrer Enge eigentlich als ungeeignet galt, um große Besuchermengen sicher aufzunehmen 1. Ein nach innen verlegter Zugang mit vorgelagerter Passage löste dieses Problem und bot Raum für die wartenden Zuschauer 1. Das neu geschaffene Kino umfasste rund 450 Sitzplätze, einschließlich Logen 1. Der Saal war mit einem bühnenartig gestalteten Vorraum, einer Garderobe sowie einer Projektionsfläche aus Aluminium ausgestattet 1. Peter Marzen war der Inhaber der Germania-Lichtspiele 7. Er erweiterte im Laufe der Jahre seine geschäftlichen Aktivitäten und übernahm 1916 zusätzlich die Reichshallen, wodurch beide Häuser gemeinsam unter dem Namen „Vereinigte Lichtspiele Trier’s“ geführt wurden 2. Die Kinoprogramme des Germania entwickelten sich im Ersten Weltkrieg unter Marzens Leitung stark in Richtung patriotischer Inhalte; Berichte erwähnen eine Mischung aus älteren und neuen Kriegs- und Militärfilmen, die gezielt zusammengestellt wurden 10. Ab 1915 kehrte allmählich eine breitere Programmatik zurück, in der Spielfilme, Dramen und Komödien wieder regelmäßig vertreten waren 2.

Das Germania war in dieser Zeit eines der größten Lichtspielhäuser Triers; einzelne Branchenmeldungen erwähnen bis zu 900 Sitzplätze bei frühen Um- oder Umbauplanungen 3. Parallel dazu wurde die Germania-Lichtspiele mehrfach im Handelsregister geführt, was die kontinuierlichen Firmenänderungen und Prokuraerteilungen an Familienmitglieder, vor allem an August Marzen, dokumentiert 9.

In den 1920er Jahren erscheint das Kino regelmäßig in Verwaltungsunterlagen, etwa in der Akte zur Lustbarkeitssteuer, in der die Vereinigten Lichtspiele (Reichshallen und Germania) bis März 1920 gemeinsam geführt werden. Danach werden in den Besucherlisten ausschließlich die Germania-Lichtspiele aufgeführt, was auf eine strukturelle Konzentration hinweist 4. Peter Marzen führt das Lichtspielhaus bis 1927 7. In diesem Jahr wurde er aus den Germania-Lichtspielen durch Gebrüder Schieffer ausgemietet, woraufhin er sich ein neues Kino suchen musste 7.

In den 1930er Jahren wurde das Germania zunächst in „Modernes Theater“ umbenannt 6. Zeitlich lässt sich dies auf das Jahr 1930 eingrenzen 6. Eine erneute Umbenennung zurück zu dem traditionellen Namen „Germania“ erfolgte Januar 1937 3. Aus einem Vierjahresplan der Stadt Trier geht hervor, dass im Februar 1937 die Genehmigung erteilt wurde, die Kapazität des Kinos auf etwa 600 Plätze zu erweitern 3. Zusätzlich existieren Hinweise auf eine zeitweilige Planung, die Bestuhlung auf rund 695 Plätze zu erhöhen 3.

Der Kinobetrieb bestand bis zur Zerstörung des Gebäudes im Dezember 1944, die durch Luftangriffe verursacht wurde 6. Mit dem Wiederaufbau der Fleischstraße Anfang der 1970er-Jahre (1971/72) im Zuge des Neubaus des Kaufhauses Horten verlor der historische Standort endgültig seine ursprüngliche bauliche Struktur 6. Heute befindet sich in dem Gebäude das Modegeschäft Guillaume Mode GmbH & Co. KG, genau wie ein Zahnarzt und ein Rechtsanwalt.

Literaturverzeichnis

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[1]: Braun, B. (2002). Wir Trierer lieben den „Kintop“ über alles – Die Kinostadt Trier vor dem Ersten Weltkrieg. Kurtrierisches Jahrbuch, vol. 42, pp. 239–273.

[2]: Haller, A. (2016). „Eine Episode aus unserem Dasein“: Frühes Kino in Deutschland – Programmgestaltung und weibliches Publikum. Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier.

[3]: Stadtarchiv Trier. (1936-1937). Tb 8/25 – Vierjahresplan: Wirtschaft und Industrie.

[4]: Stadtarchiv Trier. (1917-1927). Tb 21/650 – Lustbarkeitssteuer (Kinos, Germania, Lichtspielhaus).

[5]: Stadtarchiv Trier. (1922-1928). Tb 21/654 – Kinobesitzer Marzi, Fässy und Schieffer.

[6]: Stadtarchiv Trier. Sam/168/1 – Häuser, Straßen und Plätze.

[7]: Peter Marzen. (1933). Aus dem Leben eines rheinischen Filmpioniers: Erinnerungsgabe zum 50. Geburtstag Peter Marzen und seiner 35jährigen Zugehörigkeit zur Filmindustrie. Saarbrücken: Saarbrücker Dr. und Verl.

[8]: Stadtarchiv Trier. (1927-1946). NL Laven/1433 – Zeitungsartikelsammlung über Filmvorführungen in Trier (Neues Theater, Capitol-Theater, Apollo-Theater, Palast-Lichtspiele, Germania-Lichtspiele, Römertor-Lichtspiele).

[9]: Der Kinematograph. (1914, June). Firmennachrichten - Trier. No. 391, p. 165. https://mediahistoryproject.org/reader.php?id=kinematograph-1914-06.

[10]: Braun, B. (2002). Patriotisches Kino im Krieg: Beobachtungen in der Garnisonsstadt Trier. In F. Kessler, S. Lenk & M. Loiperdinger (Eds.), Kinematographen-Programme (KINtop, Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films, Bd. 11, pp. 100–121). Stroemfeld/Roter Stern. https://doi.org/10.25969/mediarep/15981.

Bildlizenzen

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[1]: Privatfoto: Jaqueline Pauli